Corona-Pandemie, Geldpolitik, Inflation, Kommentar, Prof. Dr. Thorsten Polleit, WirtschaftsWoche

Durch die Pandemie kaufen Zentralbanken im großen Stil Staatsanleihen. Mehr Geld, weniger Güter – das liest sich wie ein Rezept für Preisinflation. Oder vielleicht doch nicht?

Ein Gastbeitrag von Thorsten Polleit.

 

Die Coronapandemie hat die Regierungen rund um den Globus in Alarmstimmung versetzt. Um die Ausbreitung des Virus zu bekämpfen, haben sie das gesellschaftliche Leben und die Wirtschaft heruntergefahren. Die Produktion ist dadurch so stark eingebrochen wie seit der Großen Depression in den 1930er Jahren nicht mehr. Um die wirtschaftlichen Schäden in Grenzen zu halten, haben die Politiker riesige Rettungspakete auf den Weg gebracht und die Zentralbanken die Geldschleusen weit geöffnet. Die Leitzinsen liegen bei Null Prozent, mancherorts gar im negativen Bereich.

 

Zudem kaufen die Zentralbanken in großem Stil Staatsanleihen und schaffen dadurch aus dem Nichts herbeigezaubertes Geld. Anders als noch in der Finanzkrise von 2008/2009 wird jetzt nicht nur das Banken- und Finanzsystem mit neuem Geld geflutet. Die Staaten überweisen es den Bürgern und Unternehmen auch direkt auf deren Bankkonten. Zudem vergeben Banken kräftig Kredite an Konsumenten und Unternehmen und schaffen dadurch ebenfalls neues Geld.

 

Das hat in den Vereinigten Staaten von Amerika die Geldmenge M1 (Bargeld und Sichtguthaben bei Banken) bereits um 31,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen lassen, die Geldmenge M2 (M1 plus längerfristige Bankeinlagen) um 22,3 Prozent. Das sind die größten Zuwachsraten, die jemals für diese Geldmengen gemessen wurden. Ähnliches wird sich bald auch im Euroraum abspielen. Denn auch hier sind gewaltige Haushaltsdefizite als Folge der „Rettungspolitiken“ mit dem Anwerfen der elektronischen Notenpresse zu finanzieren.

Mehr Geld, weniger Güter – das liest sich wie ein Rezept für Preisinflation. Oder vielleicht doch nicht?

Hier weiterlesen.

Kommentar verfassen