Corona-Pandemie, Henryk M. Broder, Sozialpolitik

Wie ich an dieser Stelle bereits geschrieben habe, gehören die Magazine brisant (ARD), explosiv und exclusiv (RTL) zu meinen wichtigsten Informationsquellen, gleich nach der NYT, der NZZ und den Kieler Nachrichten. Sie berichten in jeder Ausgabe über die Leiden und Nöte der uns aus Film, Funk und Fernsehen bekannten Prominenten in den Corona-Tagen.

 

Zum Beispiel von Anouschka Renzi, der Tochter von Eva Renzi. Ihre Engagements sind wegen Corona geplatzt, und sie überlegt, wie sie über die Runden kommen soll. Auf keinen Fall möchte sie an das Erbe ihrer Mutter ran. Denn das war dazu gedacht, „für das Alter da zu sein“, also eigentlich längst fällig. Zudem muss sie ihre Tochter mitfinanzieren, und da läppert sich was zusammen. „Meine Wohnung, ihre Wohnung“, das sind dann 4.000.- bis 5.000.- Euro monatlich, netto. „Vom Staat“ hat sie einmalig 5.000.- Euro Soforthilfe bekommen, gerade genug, um einen Monat zu überstehen.

 

Noch schlimmer hat es Giulia Siegel erwischt, die Tochter des berühmten Schlagerproduzenten Ralph Siegel. Er könnte seiner Tochter, die als DJ arbeitet, bestimmt unter die Arme greifen, aber das will Giulia nicht. Auch ihr sind alle Jobs weggebrochen. Sie hat zwar „Rücklagen, Aktien“, aber das ist „eigentlich“ ihre Altersversorgung. Und da will sie nicht dran, nur weil der Staat jetzt „einen Shutdown gemacht“ hat. Sie ist, sagt sie, „knapp fünfstellig in den Ausgaben“, die sie jeden Monat hat. „Und da kommt aktuell null rein.“ Deswegen ist „staatliche Hilfe jetzt eine Option“. Giulia hat einen Antrag auf Hartz 4 gestellt. „Das würde bedeuten, dass die Kaltmiete übernommen wird und die Heizkosten, plus 482 Euro zum Leben.“ Denn außer Plattenauflegen hat die Arme nichts gelernt. Was ich gerne wüsste: Putzt sie ihre kleine kuschelige Wohnung in einem Münchner Sozialbau selbst oder beschäftigt sie eine Putzfrau?

 

Dabei hatte sie schon Ende Januar eine Idee, wie sie Einnahmen generieren könnte. Sie bot ihre getragenen Schuhe im Netz zum Kauf an. Natürlich für einen guten Zweck.

 

Es müssen nicht immer Schuhe sein.

 

von Henryk M. Broder

 

Ursprünglich erschienen bei der Achse des Guten: https://www.achgut.com/artikel/hartz_4_ist_fuer_alle_da.

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