Freiheit, Geschichte, Kommentar, Ralph Bärligea, Sozialismus

von Raph Bärligea

 

Insbesondere ist zu betonen und daran zu erinnern, dass ein sozialistisches Experiment in der Spielart des nationalen Sozialismus ergänzt um die damals durch staatliche Bildungsanstalten naturwissenschaftlich begründete und staatlich geförderte Menschenrassenzuchtplanwirtschaft Deutschland in dieses Unglück stürzte.

 

Andere sozialistische Regime als das deutsche, wie etwa dasjenige von Stalin in Russland oder von Mao in China, die teils fundamental andere ideologische Färbungen als der deutsche Sozialismus hatten, zeigen, dass sozialistische Planwirtschaften generell nicht besonders ruhmreiche und menschenfreundliche Bedingungen hervorbringen.

 

Ist es heute das Experiment wert, auszuprobieren, ob es nun vielleicht mit dem „demokratischen“, „europäischen“ oder „internationalen“ Sozialismus besser funktioniert? Diese Frage wird in der heutigen Rede unseres Bundespräsidenten leider nicht aufgeworfen.

 

Auch die christlichen Amtskirchen, die von damals bis heute eng mit der staatlichen Exekutive verflochten geblieben sind und in ihrer finanziellen Abhängigkeit vom Staatsapparat gerne bequem opportune Meinungen der Regierenden übernehmen, reflektieren in ihren Sonntagsreden von heute, ihre schweigende bis unterstützende Rolle der staatlichen Greuel von damals wenig. Schweigen sie auch heute zu manchen Themen? Übernehmen sie auch heute gewisse Meinungsopportunitäten moralischer Deutungshoheit politischer Ideologien?

 

Ob wir in Zukunft Freiheit oder Zwang, freie Marktwirtschaft oder zentrale Planwirtschaft, Frieden oder Krieg, Wohlstand oder Not haben, liegt beim Erinnern, Wählen und Handeln eines jeden Einzelnen. „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“, sagt unser Grundgesetz richtig und spricht damit einen Fakt aus, der nicht auf die Gnade irgendwelcher Regierungen, Juristen oder Politiker angewiesen ist, weil er für sich selbst steht. Denn gegen die entschlossene Mehrheiten der Menschen kann sich keine Gewalt der Welt stellen.

 

Unser Grundgesetz bekennt sich damit zu der Wahrheit, dass der Souverän letzter Instanz immer das Volk ist und nicht irgendein Repräsentant des Volkes in der Regierung oder Politik. Und dieses Volk besteht aus einzelnen freien und souveränen Menschen, aus Rechtssubjekten, die das Recht auf ihre freie Entfaltung von Natur aus in sich tragen. Nur wenn sie dieses Recht auf eigene Kosten und Mühen täglich einfordern und den staatlichen Apparat dazu beauftragen und instrumentalisieren, dieses Recht auch zu verteidigen anstatt es zu beschneiden, wird es auch in Zukunft eine freie und offene Gesellschaft geben. Freiheit ist ein urnatürliches Menschenrecht. Dieses Recht bringt aber auch die Notwendigkeit und damit Pflicht mit, die Freiheit zu verteidigen und einzufordern, um sie letztendlich in Anspruch nehmen und genießen zu können. Freiheit gibt es nicht zum Nulltarif. Man muss sie sich für gewöhnlich wie jedes andere Gut täglich neu erarbeiten.

 

Auch stehlen kann man die Freiheit anderen nicht, ohne sie am Ende dadurch selbst zu verlieren. Freiheit ist ein öffentliches Gut, dass auf Gegenseitigkeit beruht; wir müssen sie auch anderen zugestehen, um sie selbst haben zu können. Die Meinungsfreiheit bedeutet beispielsweise auch, Meinungen anderer zuzulassen, die man selbst nicht teilt. Und Freiheit bedeutet etwa auch, Lebensstile zu tolerieren, die man für sich selbst nicht wählen würde. Freiheit heißt auch, andere Menschen in Ruhe zu lassen, solange diese nicht um irgendeine Einmischung bitten.

 

Jeder sollte in einer freien Gesellschaft tun und lassen können, was er will, solange er niemandem anderen aktiv damit schadet. Behandele andere so, wie Du auch selbst behandelt werden möchtest und handele dabei so, dass Dein Handeln einem Gesetz, einer Regel entspricht, mit der Du auch zufrieden wärst, wenn sie auf Dich selbst angewendet würde.

 

Wo dieses Prinzip als friedensstiftender Grenzrahmen der Freiheit des Einzelnen im gesellschaftlichen Spannungsfeld zur Freiheit aller als allgemeingültige Gesetzmäßigkeit durch gewaltsame entschädigungslose Enteignungen, Zwangsarbeiten, Zwangsverpflichtungen und aufgedrängte Einmischungen in die Privatsphäre aller möglichen Art durchbrochen wird, enden Freiheit und Recht. Und die Einigkeit beginnt zu bröckeln, wo Partikularinteressen von Zwangsmaßnahmen profitieren, die die Allgemeinheit finanziert. Das ist dann nicht mehr mein Deutschland.

 

Meine Großeltern mütterlicherseits wie väterlicherseits haben den Sozialismus in gleich zweierlei Weise erlebt: Erst den nationalen Deutschlands, danach den der Sowjetunion. Danach waren sie durch den Staat enteignet und mittellos gemacht worden und enge Angehörige – in einem Fall der Haupternährer der Familie – durch den Staat ermordet worden. „Der Sozialismus hat uns damals nicht geholfen“, erzählte mir mein Opa Reimar. „Der Nationalsozialismus war etwas für die Dummen; sie konnten sich groß fühlen auf Grund ihrer Rasse, ohne etwas leisten zu müssen,“ erzählte mir meine Omi Eva. „Kein Sozialismus war besser als der andere; letztendlich hat man uns alles genommen“, meinte meine Oma Erika. „Ich fühle mich noch nicht würdig, in die Partei einzutreten“, sagte mein Großvater Nicolae, wenn man ihn öffentlich dazu drängen wollte, um daheim zu sagen: „Ich will für meine Leistungen angesehen werden, nicht für ein falsches politisches Bekenntnis.“

 

Als ich ein Kind war erzählten mir meine Großeltern diese Geschichten von Krieg, Flucht, Vertreibung, Tod, restitutionsloser Enteignung und der Zerstörung von Lebenswerken und menschlicher Kultur und sozialer Bindungen durch das sozialistische Staatsregime. Ihr Fazit war: Nie wieder Sozialismus!

 

Darum schließe nun auch ich an diesem Tag des heutigen 8. Mai im Jahre 2020 in ehrfürchtiger und wahrhaftiger Erinnerung an die Geschehnisse in der Vergangenheit unseres Landes mit den gleichen Worten unseres Bundespräsidenten: „Der 8. Mai war nicht das Ende der Befreiung – Freiheit und Demokratie sind sein bleibender Auftrag, unser Auftrag!”

 

https://www.rnd.de/politik/steinmeier-zum-kriegsende-die-rede-des-bundesprasidenten-zum-im-wortlaut-TAW5WF37YNGUPHT2WXJHHAU35Y.html

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