Beiträge, Corona-Pandemie, Coronomics, Robert Nef

Fragen stellen tut immer gut. Eine wichtige Frage beschäftigt mich als Individualist und Non-Zentralist seit dem Ausbruch der Pandemie. Wie steht es eigentlich um jenen überlebensentscheidenden Abwehrkampf, der sich innerhalb des menschlichen Körpers und nicht im Körper einer kollektiven Körperschaft abspielt? Im eigenen Körper kämpfen angreifende Viren mit körpereigenen Killerzellen buchstäblich auf Leben und Tod. Für das Virus ist der Mensch ein «Wirt», für die Killerzellen ein Eindringling. Eigentlich ist aber auch das Virus nicht am Tod seines Wirts interessiert (so der Virologe Prof. Vernazza). Ab welcher Phase dieses Abwehrkampfs ist ein Test positiv, und was bedeutet ein negativer Test, wenn man schon auf dem Weg nach Hause neu infiziert werden kann? Wäre es aus immunologischer Sicht nicht wünschenswert, dass sich, mit Ausnahme der gesundheitlich Hochgefährdeten, die im eigenen Interesse vorsichtig sein sollten, eigentlich alle gestaffelt anstecken, erfolgreich gesunden und so resistent werden? Und stimmt die schlimme Botschaft, dass auch nach einer überstanden Infektion bei gewissen Individuen keine sichere Immunität entsteht?

Ich suchte für meine eigenen Killerzellen nach einer sympathischeren Bezeichnung, denn sie wollen ja nicht killen, sondern meinen eigenen Körper gegen Angreifer verteidigen. Auf Anregung des Satirikers Andreas Thiel nenne ich sie jetzt «Resistenzzellen». Diese Zellen haben eine Neigung zum Overkill, dessen Abfallprodukte dann den Körper belasten und ernsthaft gefährden können. Bei Jugendlichen ist dieser Overkill viel seltener, was der Grund ist für deren Robustheit. In alten angstgeprägten Menschen ist die Aufeinander-Abstimmung von Angriff und Verteidigung offenbar weniger im Gleichgewicht, was zu einer höheren Gefährdung führt.  Man muss mit der Analogie von Biologie und Soziologie vorsichtig umgehen, aber es gibt doch einen hoch interessanten Zusammenhang zwischen der individuellen Abwehr und den kollektiven politischen Abwehrmassnahmen. Könnte es sein, dass wir auch dort zu einem «Overkill» neigen, dessen Folgen dann gefährlicher sind als das Grundphänomen? Virologen befürworten das Verbot von Massenveranstaltungen, halten aber die Schulschliessungen auf dem Hintergrund der Idee einer ohnehin stattfindenden «gestaffelten Infektion» in Kleingruppen plus schrittweiser Immunisierung der Gesamtbevölkerung für fragwürdig. Was ist die bestmögliche Lösung? Die persönliche Antwort hängt vom eigenen Gesundheitszustand und von der individuellen und kleingruppenbezogenen Befindlichkeit ab. Was für alle das Beste ist, bzw. gewesen wäre, wissen wir erst rückblickend bei fairen Vergleichen, wobei man bei den Todesfällen nie herausfinden wird, welche wegen und welche mit Coronavirus und welche als Nebenfolge beim Overkill von Bekämpfungsmassnahmen stattgefunden haben.

Mein Ratschlag an alle Fragenden und Ratlosen:  Habt Geduld bei der Suche nach Antworten und verrennt Euch nicht in irgendwelche Ideenkonstrukte, die letztlich nichts anderes sind als die berühmt- berüchtigte «Suche nach Schuldigen». Besser als alle gesinnungsethische Solidarität (mit wem eigentlich? den Gesunden? den Erkrankten, den Pflegenden? den Politikern?) ist ein verantwortungsethischer Egoismus, der das Wohlergehen anderer miteinbezieht. Seid gut zu Euch selbst, tragt Sorge zu euern Resistenzzellen. Seien wir doch solidarisch mit ihnen! Sie mögen es nicht, wenn man dauernd unter Stress steht. Und was erzeugt Stress? Unsicherheit, totale Isolation, Hauskrach, Angst und Panik und vielleicht auch Untätigkeit. Möglichst wenig davon wünsche ich allen, auch jenen, die diesen spannenden Blog nicht lesen.

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