Blog-Beiträge, Prof. Dr. Gerd Habermann

Von Gerd Habermann.

 

Im Park steht ein stattlicher Baum. Nicht nur, dass er uns durch sein Aussehen, seine Früchte vielleicht, seinen Schatten, seine Kühlung im Sommer erfreut und was er sonst an für uns nützlichen Funktionen bereithält. Überdies ist er spendabler Gastgeber für Vögel und allerlei Kleintiere, und an niemanden schickt er eine Rechnung. Es macht ihm auch nicht viel aus, wenn sich eines Tages eine Efeupflanze hochranken mag, die Halt aus ihm zieht und seinen kahlen Stamm sogar mit ihren Blättern schmücken kann.

 

Man lebt lange in Koexistenz zusammen, aber eines Tages hat der Efeu den Baum bis in die Krone hinauf überwachsen, und was im Winter noch wie ein grüner Schmuck aussehen mag, wird ihm zum Verderben. Der Efeu nimmt ihm Luft und Licht. Eines Tages beginnt er an seinen Ästen zu verkümmern, und es kommt der Morgen, vielleicht nach einer Sturmnacht, da sehen wir ihn umgestürzt mitsamt seiner noch grünenden Gastpflanze. Sie gehen nun gemeinsam zugrunde.

 

Dies ist ein Bild vom Kapitalismus (der Marktwirtschaft) und dem Wohlfahrtsstaat. Der Baum ist der Wirt, der Efeu der Gast, der nicht gefragt hat und der nicht zahlt.

 

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